Parkinson

Weltweit leben ca. 7-10 Millionen Menschen mit Parkinson. In Luxemburg wird geschätzt, dass ungefähr 1.200 Personen von dieser chronischen, fortschreitenden neurodegenerativen Krankheit betroffen sind.

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Das Risiko, eine neurodegenerative Krankheit wie Alzheimer oder Parkinson zu entwickeln, wächst, wenn wir älter werden, wobei bis zu 10 % der Parkinsonpatienten ihre Diagnose erhalten, bevor sie 50 Jahre alt sind. Zum Zeitpunkt der Diagnose haben Parkinsonpatienten typischerweise motorische Symptome wie Muskelsteife, Zittern und verlangsamte Bewegungen. Parkinson entwickelt sich über Jahre und der Schaden an Nervenzellen ist bereits groß, wenn diese motorischen Symptome auftauchen. Jedoch zeigen die meisten Patienten 10 – 20 Jahre vorher Probleme mit dem Sehvermögen oder dem Geruchssinns, leiden an Verstopfung oder Schlafstörungen.

Diese Symptome werden heute als prä-motorische Risikofaktoren für die Entwicklung von Parkinson angesehen. Um Patienten so früh und so effektiv wie möglich zu behandeln, müssen dringend präzise Früherkennungstests und bessere Behandlungen gefunden werden. Angesichts dieser zwingenden Notwendigkeit, nehmen wir sowohl an nationalen als auch internationalen Studien zu Parkinson teil. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit der lokalen Patientenvereinigung Parkinson Luxembourg zusammen, um die Patienten über die Parkinson-Forschung auf dem Laufenden zu halten und unsere Solidarität zu bekunden.

Internationale Zusammenarbeit

PrintSeit 2013 arbeiten wir als die zentrale europäische Biobank für ein Projekt mit dem EU Joint Programme for Neurodegenerative Disease Research (JPND) zusammen, der größten globalen Forschungsinitiative mit dem Ziel, sich der Herausforderung neurodegenerativer Krankheiten zu stellen. blood-collectProben von Rückenmarksflüssigkeit und Blut, die in mehreren europäischen Krankenhäusern gesammelt wurden, werden bei uns gelagert und Wissenschaftlern aus 19 verschiedenen Ländern zur Verfügung gestellt. Neben der physischen Lagerung biologischer Proben für das Projekt, haben wir eine Internetplattform aufgebaut, die alle mit den Proben verbundenen Daten erfasst. Zu guter Letzt nehmen wir auch an der Forschung selbst teil, indem wir die Bearbeitung von Rückenmarksflüssigkeit im Labor untersuchen.

Im Jahre 2016 ist IBBL als externer Mitarbeiter zu einem weiteren JPND Projekt gestoßen. Forscher aus Luxemburg, Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Israel haben ihre Stärken vereint, um menschliche Gehirn-artige Strukturen aus Zellen von Parkinson-Patienten zu züchten, um die Auswirkungen der Erkrankung auf das Gehirn zu untersuchen. Innerhalb des Konsortiums, ist IBBL für die Entgegennahme der Proben sowie für die Erweiterung, Speicherung und Umverteilung der Zellen verantwortlich. Darüber hinaus helfen unsere Forscher, eine neuartige Kryokonservierungsmethode für die im Konsortium entwickelten Gehirnstrukturen zu testen.

Lokale Exzellenz

Die größte Initiative in der Erforschung der Parkinson-Krankheit wurde im Jahre 2015 in Luxemburg gestartet: Das “National Centre of Excellence in Research on Parkinson’s Disease” [Nationale Excellence Zentrum für Forschung der Parkinson-Krankheit] (NCER-PD). NCER-PD, die vom “Fonds National de la Recherche” (FNR) ins Leben gerufen wurde, ist ein 8 Jahre laufendes Programm, das sich das Ziel gesetzt hat, neue Wege für die Frühdiagnose und bessere Behandlungen der Parkinson-Krankheit zu finden.

Etwas mehr als 600 Patienten und gesunde Spender aus Luxemburg und der Großregion nahmen 2018 an der Studie teil. Diese Zahl spiegelt das starke Interesse und den Willen der luxemburgischen Bevölkerung wider, die biomedizinische Forschung voranzutreiben. Ihre biologischen Proben wie Blut, Urin und Speichel wurden mit größter Sorgfalt von der Biobank behandelt, die auch Qualitätskontrolltests einrichtete, um die Beiträge der Spender zur maximieren und letztlich robuste Forschungsergebnisse zu liefern.

Unsere nationalen Projekte

In enger Zusammenarbeit mit allen wichtigen Akteuren der biomedizinischen Forschung und des Gesundheitswesens in Luxemburg ist das IBBL an einer Reihe nationaler Forschungsprojekte zu Parkinson und Neurodegeneration beteiligt. Nachfolgend eine Auswahl unserer neuesten Projekte.

Sammlung biologischer Proben für Forschungsprojekte über neurodegenerative Krankheiten (ND Sammlung)

Die Forschung ist sehr wichtig, um die Behandlung der Patienten zu verbessern; sie hilft die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und ermöglicht die Entwicklung neuer Tests und Behandlungen, die nicht nur die Symptome kontrollieren, sondern auch den weiteren Verlauf der Krankheit stoppen könnten. Um die Ursachen der Krankheit zu erforschen, benötigen die Wissenschaftler biologisches Material und klinische Daten von Patienten und gesunden Kontrollpersonen, um Krankheitsmarker zu definieren und die Mechanismen, die zum neuronalen Zelltod führen, zu studieren. Genügend Proben zu sammeln, um die vorrangigsten Forschungsfragen zu beantworten, ist äußerst aufwendig. Anonymisierte Proben und Daten dieser Sammlung werden von zahlreichen Forschungseinheiten in Luxemburg und im Ausland genutzt werden, um neurologische Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Epilepsie und Entzündungserkrankungen des Gehirns besser verstehen und behandeln zu können. Sowohl die IBBL (Integrated BioBank of Luxembourg) in ihrer Funktion als Biobank, als auch das LCSB (Luxembourg Centre for Systems Biomedicine), in seiner Funktion als Forschungsinstitut, unterstützen diese Sammlung finanziell.

Fortgeschrittene Modellierung der Parkinson-Krankheit mit dreidimensionalen menschlichen Mittelhirn-Organoiden (3DPD)

Das Projekt will ein neuartiges 3D-Zellkulturmodell implementieren, das die Auswirkungen der Parkinson-Krankheit auf die Gehirnarchitektur und -konnektivität verdeutlicht. Das Projekt wird vom Luxembourg Centre for Systems Biomedicine an der Universität Luxemburg geleitet.

Standardisierung der Mittelhirn-Organoid-Entstehung und Proof of Concept für die Anwendung (BrainOid)

Das BrainOid-Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen der IBBL, dem LIH, der Universität Luxemburg und dem Nationalen Forschungsfond für Luxemburg (Fonds National de la Recherche – FNR). Es zielt darauf ab, Prototypen der Mittelhirn-Organoiden aus humanen Stammzellen zu generieren, die für die Verteilung sowie für verschiedene Anwendungen bereit stehen. Der erste Schritt besteht in der Standardisierung der Produktion, um dann einen Proof of Concept für die Toxizität und Neurodegeneration bereitzustellen. Die Mittelhirn-Organoide werden aus humanen neuroepithelialen Stammzellen (hNESC) gewonnen, die aus pluripotenten Stammzellen (iPSC) abgeleitet werden, die wiederum aus Hautbiopsien resultieren. Die Methodenvalidierung wird von der IBBL durchgeführt. 

Untersuchung der mitochondrialen Epigenetik als Ursache der mitochondrialen Dysfunktion bei der Parkinson-Krankheit (EME)

Die mitochondriale Dysfunktion ist ein vorherrschender Faktor bei der Pathologie der Parkinson-Krankheit (PD). Der zugrundeliegende molekulare Mechanismus dieser mitochondrialen Dysfunktion wird jedoch noch nicht verstanden. Das Projekt will eine potenzielle Fehlregulation der mitochondrialen DNA (mtDNA)-Epigenetik in Thrombozyten untersuchen, die von PD-Patienten stammen. Das Projekt beurteilt die Tauglichkeit von mtDNA-epigenetischen Profilen als Biomarker für die frühe PD-Diagnose und/oder die Krankheitsklassifikation sowie für die Aufklärung der Ursachen der schädlichen mitochondrialen Defekte bei PD. Dieser Ansatz kann dazu beitragen, therapeutische Strategien zu entwickeln, um dem Verlust von Nervenzellen bei der PD entgegenzuwirken. Die Studie ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB), der Universität Luxemburg und der IBBL.

Mitmachen!

Ob Sie an Parkison erkrankt sind oder nicht, Sie können die Parkinson-Foschung durch eine Teilnahme an der luxemburger Parkinsonstudie National Centre of Excellence in Research on Parkinson’s Disease (NCER-PD) unterstützen. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenarbeit zwischen der IBBL, dem Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB), dem Luxembourg Institute of Health (LIH), dem Centre Hospitalier de Luxembourg (CHL) und dem Laboratoire National de Santé (LNS).

Weitere Information zu NCER-PD und der Teilnahme, finden Sie unter www.parkinson.lu