Mikrobiom

Vor zwanzig Jahren hat man Bakterien als den Hauptfeind der menschlichen Gesundheit angesehen. Heute wissen wir, dass viele von ihnen tatsächlich nützlich und sogar erforderlich sind, damit wir gesund bleiben.

Dieses neue Verständnis des Zusammenspiels zwischen dem menschlichen Körper und den Mikroorganismen, die auf oder in ihm leben, wurde durch die Forschung über das menschliche Mikrobiom möglich. Der Ausdruck Mikrobiom beschreibt alle Mikroorganismen, die in einer bestimmten Umgebung leben, zum Beispiel im menschlichen Darm. Da die Anzahl der mikrobischen Zellen viel größer ist als die Anzahl der menschlichen Zellen in einem Körper, überrascht es nicht, dass die Mikroben tatsächlich eine wichtige Rolle bei der menschlichen Gesundheit spielen. In den letzten Jahren wurden Verbindungen zwischen dem Mikrobiom im Darm und Krankheiten wie Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn, Fettleibigkeit und sogar Parkinson hergestellt.

Die Verbindung zwischen Bakterien, Fettleibigkeit und Diabetes

Auch wenn die Forschung im Bereich des menschlichen Mikrobioms große Fortschritte gemacht hat, ist dennoch nicht genau gewusst wie und wieso bestimmte Mikroorganismen Krankheiten auslösen können. Es scheint allerdings, dass die Zusammensetzung der Mikroflora und das Gleichgewicht zwischen verschiedenen bakteriellen Spezies den Unterschied zwischen Gesundheit und Krankheit ausmachen können. Dies betrifft besonders das Mikrobiom. Hier gilt: je vielfältiger die Bakterien, desto gesünder ist man, jedenfalls was das Gewicht betrifft. Im Jahr 2016 entwirrte eine durch das LCSB (Luxembourg Centre for Systems Biomedicine), das CHL (Centre Hospitalier de Luxembourg), das CHEM (Centre Hospitalier Emile Mayrisch) und IBBL durchgeführte Studie die Verbindungen zwischen Darmmikrobiom und Typ 1 Diabetes. Forscher zeigten deutliche Unterschiede in der Funktionsweise der Bakterien zwischen gesunden und diabetischen Personen. Diese Studie ist eine ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie vielversprechend die Forschung um das Mikrobiom ist. Insbesondere weil die Darmflora relativ einfach durch Diät, Probiotika, Fäkal-Transplantationen verbessert werden kann. Allerdings, bevor diese Maβnahmen zur klinischen Anwendung gelangen, ist es wichtig das komplizierte Zusammenspiel zwischen bakteriellen und menschlichen Zellen noch weiter zu durchleuchten.

Im Jahr 2016 wurde von IBBL, dem BioHealth Cluster, dem LIST (Luxembourg Institute of Science and Technology), dem LNS (Laboratoire National de Santé), dem LIH (Luxembourg Institute of Health) und LCSB die Luxemburger Gesellschaft für Mikrobiologie gegründet mit dem Ziel, alle Aktivitäten auf dem Gebiet der Mikrobiologie auf nationaler Ebene zu konsolidieren. Das Gesamtziel der Gesellschaft ist, ein Forum für Interaktion und Austausch von Wissen und Fachwissen in der Mikrobiologie zu schaffen. Der ein Jahr später gehaltene “First Luxembourg Microbiology Day” [Erster Luxemburger Mokrobiologietag] war ein großer Erfolg und die Gelegenheit für seine Mitglieder, zusammen zu kommen und neue Synergien zu fördern.

Experten für das Mikrobiom werden

Zusätzlich zur Sammlung biologischer Proben für diese Studien, unterstützen wir die Mikrobiom-Forschung, indem wir verschiedene Bearbeitungsmethoden von Mikrobiom-Proben bewerten. Zum Beispiel testeten unsere Wissenschaftler kürzlich sechs verschiedene Röhrchen für die Sammlung von Stuhlproben und drei verschiedene Methoden, um DNA aus Stuhlproben zu extrahieren, um zu bestimmen, welche die Besten sind. Im Jahr 2016 wurde IBBL die erste Biobank weltweit, die für die nächste Generation der 16S rRNA Gen-Sequenzierung akkreditiert wurde, eine eigens entwickelte Methode, die es Wissenschaftlern ermöglicht, das vollständige Bakterienprofil einer bestimmten Probe zu erhalten.

Da die Mikrobiom-Forschung für uns ein prioritäres Forschungsgebiet ist, organisierten wir auch den fünften International Human Microbiome Congress (IHMC) mit, der vom 31. März bis zum 2. April 2015 in Luxemburg stattfindet. Unter dem Thema „Zukunftsperspektiven für die Forschung über das menschliche Mikrobiom in Gesundheit und Krankheit” haben 50 anerkannte Mikrobiom-Experten vor  600 Kongress-Teilnehmer aus aller Welt referiert. Die Wissenschaftler diskutierten drei Tage lang über neue Forschungsmethoden, mögliche Therapien und die letzten Erkenntnisse über die Rolle des Mikrobioms bei Krankheiten.