Diabetes

Die Verbreitung von Diabetes hat über die letzten 10 Jahre exponentiell zugenommen und die Krankheit wird schnell zu einem globalen Problem. Derzeitigen Schätzungen zufolge leiden fast 25.000 Menschen in Luxemburg an Diabetes (etwa 6% der erwachsenen Bevölkerung zwischen 20 und 79 Jahren).

icone-diabetesWeltweit hat einer von 12 Erwachsenen Diabetes

Leider wird diese Zahl wohl noch weiter steigen. In der Tat sagen internationale Diabetes-Experten vorher, dass, ohne eine radikale Änderung, in 20 Jahren 592 Millionen Menschen mit Diabetes leben werden. Dies entspricht 10 % der globalen Bevölkerung. Diabetes stellt eine tägliche Last für die Patienten dar, die ihre Diät gewissenhaft beachten, ihren Blutzuckerspiegel überwachen und sich Insulin spritzen müssen. Die Krankheit kann auch zu ernsten Komplikationen an den Augen, dem Herz, den Nieren und den Füßen führen und ist für schätzungsweises 11 % der Todesfälle in Europa verantwortlich. Außerdem bedeutet die ansteigende Anzahl von Patienten, dass Diabetes eine zunehmende Last für die Gesundheitssysteme wird. In Deutschland werden beispielsweise ungefähr 10 % aller Kosten des Gesundheitswesens für die Behandlung und Pflege von Diabetes-Patienten ausgegeben.

Ursachenforschung

Es gibt drei verschiedene Formen von Diabetes:

  1. Diabetes Typ I, wobei die Bauchspeicheldrüse kein Insulin produziert;
  2. Diabetes Typ II, wobei die Zellen des Patienten nicht mehr richtig auf Insulin reagieren;
  3. Schwangerschaftsdiabetes.

Während gewusst ist, dass sowohl genetische Prädispositionen als auch Umweltfaktoren wichtige Rollen bei der Entwicklung von Diabetes spielen, sind viele der exakten Mechanismen, die der Entwicklung von Diabetes zu Grunde liegen, immer noch unbekannt. Um das Wissen über Diabetes zu verbessern und neue therapeutische und diagnostische Mittel zu finden, unterstützen wir derzeit mehrere Diabetes-Projekte.

Untersuchung der Rolle von Bakterien

Im Jahr 2016 erzielte eines der ersten von der PMC initiierten Projekte einen bedeutenden Durchbruch in der Diabetesforschung. Für diese Studie wurden 60 Spender, mit einer Familiengeschichte von Typ 1 Diabetes, mit Hilfe von Dr. de Beaufort (CHL / LCSB) und dem “Clinical and Epidemiological Investigation Center” [Klinische und Epidemiologisches Untersuchungszentrum] am LIH rekrutiert. Durch die Analyse der von der Biobank gesammelten und verarbeiteten Stuhlproben entdeckten Forscher aus dem LCSB deutliche Unterschiede in der Bakterienfunktion im Darm von Menschen mit und ohne Diabetes.

Eine zweite Langzeitprojekt ist im Gange. Durch die Dokumentation der Entwicklung und Evolution von Bakterien von der Geburt an versuchen Wissenschaftler, herauszufinden, wie die bakteriellen Populationen in Babys den Beginn des Diabetes später im Leben beeinflussen könnte. Für diese Studie werden Stuhlproben von gesunden Neugeborenen und Neugeborenen, die aufgrund bekannter Risikofaktoren wie niedriges Geburtsgewicht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Diabetes als Erwachsene aufweisen, von der Biobank gesammelt und verarbeitet, bevor sie die Labors der Forscher erreichen.

Identifikation von neuen therapeutischen Zielen

Für eine anderes Projekt mit der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg (Deutschland) und dem LCSB sammeln, bearbeiten und lagern wir Fettgewebe und weiße Blutkörpercher von Patienten, die multiple Risikofaktoren für Herzkrankheiten, Schlaganfall oder Diabetes aufweisen. Diese Studie soll zeigen welchen Einfluss Gewichtsverlust durch Veränderung des Lebensstils auf eine bestimmte Art von Molekülen in den Zellen, sogenannte MicroRNAs, hat, um somit neue therapeutische Ziele zu ermitteln.

Unsere nationalen Projekte

IBBL ist in enger Zusammenarbeit mit allen wichtigen Akteuren der biomedizinischen Forschung und des Gesundheitswesens in Luxemburg an einer Reihe nationaler Forschungsprojekte zum Thema Diabetes beteiligt. Nachfolgend eine Auswahl unserer neuesten Projekte.

Ein innovativer Ansatz zum Verständnis und dem Aufhalten von Typ-1-Diabetes (INNODIA)

Das grundlegende Ziel von INNODIA ist das Voranbringen der Art und Weise, wie wir das Auftreten und Fortschreiten von Typ-1-Diabetes (T1D) prognostizieren, bewerten und verhindern, indem neuartige Tools wie Biomarker, Krankheitsmodelle und klinische Studien-Paradigmen genutzt werden. Diese Tools ermöglichen die Unterscheidung und das Verständnis auf zellularer und molekularer Ebene der charakteristischen Ontogenese- und Progressionswege dieser heterogenen Krankheit und wirken sich somit auf das zukünftige Management von T1D-Patienten und Risikopersonen aus. Für dieses Ziel wird INNODIA ein umfassendes und interdisziplinäres Netzwerk klinischer und allgemeiner Wissenschaftler aufbauen, die führende Experten im Bereich der T1D-Forschung in Europa sind und über komplementäre Fachkenntnisse in den Bereichen der Immunologie, Beta-Zellbiologie und Biomarkerforschung verfügen. Die Arbeitsgemeinschaft wird auf koordinierte Weise mit allen wichtigen Interessenvertretern des Prozesses interagieren, insbesondere mit Aufsichtsbehörden und Patienten mit T1D sowie ihren Familien.

KARdiomyopathie und Typ-2-DIAbetes (CARDIATEAM)

Typ-2-Diabetes (T2DM) kann durch die Entwicklung von funktionellen und strukturellen Abnormalitäten im Herzen zur Herzinsuffizienz (HF) beitragen und eine Dysfunktion namens Kardiomyopathie verursachen. Die diabetische Kardiomyopathie gilt als eine eigenständige Form von HI, die bei diabetischen Patienten auftritt, ohne dass andere Herzerkrankungen vorliegen. Die Entstehung und Entwicklung ist jedoch noch nicht genau geklärt und es gibt auch noch keine effiziente Therapie. Das CARDIATEAM-Projekt will herausfinden, wie einzigartig bzw. eindeutig abgrenzbar die diabetische Kardiomyopathie gegenüber anderen Formen von HI ist, und ob Typ-2-Diabetes einen zentralen Faktor bei der Entstehung bzw. dem Fortschreiten der diabetischen Kardiomyopathie darstellt. In der Studie geht es darum, die zugrunde liegenden Mechanismen zu ergründen und so einen möglichen Weg hin zu einer frühzeitigen und präziseren Diagnose diabetischer Kardiomyopathie zu ebnen. Konkret heisst es, neue Biomarker zu identifizieren, sowie innovative therapeutische Ansätze zu finden. Dies wird letztendlich die Klassifizierung von Patienten mit Typ-2-Diabetes für personalisierte präventive und therapeutische Strategien ermöglichen. Bei CARDIATEAM handelt es sich um eine auf fünf Jahre angelegte öffentlich-private Partnerschaft zwischen 22 Akteuren — einschließlich des Luxembourg Institute of Health und IBBL — aus neun europäischen Ländern sowie der EFPIA (European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations), die von der Europäischen Kommission im Rahmen der Innovative Medicines Initiative (IMI) kofinanziert wird.

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Derzeit rekrutieren wir keine Teilnehmer für unsere Diabetesprojekte. Wenn Sie über die Teilnahme an zukünftigen Diabetesprojekten informiert werden wollen, abonnieren Sie einfach unseren Newsletter.